Was sind Pflegegeld, Pflegesachleistungen und Kombinationsleistungen?

von Christoph Rolfes

Der Hausbesuch durch den medizinischen Dienst ist geschafft und man hat einen Pflegegrad bewilligt bekommen. Doch was nun? Welche Leistungen stehen einem zu und wo bestehen die Unterschiede?

 

In unserem Blog beschäftigen wir uns mit den einzelnen Leistungsbereichen der Pflegeversicherung und versuchen Ihnen in einfachen Worten zu erklären, was sich hinter den Worten Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Kombinationsleistungen, Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege verbirgt.

 

Der heutige Blog beschäftigt sich mit den §36 und §37 im SGB XI. Hier geht es konkret um das Pflegegeld, die Pflegesachleistungen und die Kombinationsleistungen

Haben Sie oder ihre Angehörigen einen Pflegegrad bewilligt bekommen, richtet sich ihr Anspruch an die Pflegeversicherung stark nach dem bewilligen Pflegegrad.

 

Erst ab dem Pflegegrad 2 haben Sie einen kompletten Anspruch auf Geld-, Sach- oder Kombinationsleistungen. (bei Pflegegrad 1 haben Sie im Grunde nur einen sehr geringen Anspruch auf bestimmte Sachleistungen, den sogenannten Entlastungsbetrag).

 

 

 

Schon bei der Erstbeantragung eines Pflegegrads können Sie zwischen drei „Optionen“ wählen. Hier empfiehlt es sich, entweder Geldleistungen oder Kombinationsleistungen zu beantragen. Sachleistungen zu beantragen empfiehlt sich nur, wenn es in ihrem Umfeld absolut niemanden gibt, der Ihnen bei der Bewältigung ihres Alltags hilft. 

 

Diese sogenannte „Pflegeperson“ muss Ihnen nicht unbedingt bei intimen Dingen wie der Körperpflege oder Toilettengängen helfen, es reicht auch wenn diese mehrfach am Tag nach Ihnen schaut, Ihnen das Essen vorbereitet oder die Wohnung sauber hält. Sie können natürlich auch mehr als eine Pflegeperson haben, zum Beispiel ihren Ehepartner, ihre Kinder oder Nachbarn und gute Freunde.

1. Pflegegeld oder Geldleistungen

Wählen Sie Geldleistungen, bekommen Sie angepasst an ihren Pflegegrad jeden Monat Geld von der Pflegekasse überwiesen. Mit diesem Geld können Sie nun Ihre Aufwendungen im Zusammenhang mit der Pflege bezahlen oder die Aufwendung/en ihrer Pflegeperson/en. 

 

 Die Höhe der monatlichen "Geldleistung" richtet sich nach ihrem Pflegegrad. (hier eine Grafik).

2. Kombinationsleistungen

Brauchen Sie neben der Unterstützung durch ihre Pflegeperson/en auch Hilfe von einem ambulanten Pflegedienst (z.B. Hilfe beim Waschen), empfiehlt es sich Kombinationsleistungen in Anspruch zu nehmen. Die Kombinationsleistungen sind ein Mix aus Geldleistungen und Sachleistungen. Durch das deutlich höhere Sachleistungsbudget im Vergleich zu den Geldleistungen, haben Sie die Möglichkeit sich viel mehr Leistungen von einem ambulanten Pflegedienst einzukaufen, als wenn Sie diese von ihrem Pflegegeld bezahlen würden.

 

In diesem Beispiel kommt der Pflegedienst 5mal /Woche zum Waschen bei einem Klienten mit Pflegegrad 2. Beanspruchen Sie Kombinationsleistungen werden die Kosten aus diesem Beispiel komplett von der Pflegekasse übernommen.  Es wird Ihnen nach Rechnungsstellung noch 114,73€ Pflegegeld ausgezahlt. 

Im zweiten Beispiel bezahlen Sie den Pflegedienst von ihren Geldleistungen. Hier würde auch ihr Pflegegeld nicht ausreichen. 

 

Je nach Leistungsumfang bekommen Sie den nicht ausgenutzten Sachleistungsbetrag als prozentual anteiliges Pflegegeld ausgezahlt. Diese Rechnung ist für die meisten Kunden sehr kompliziert, ich versuche die Erklärung anhand eines Beispiels:

 

Diese Rechnung verdeutlicht hoffentlich auch, warum es immer sinnvoller und v.a. kostengünstiger ist, die Leistungen des Pflegedienstes über das Sachleistungsbudget abzurechnen, als die Rechnung des Pflegedienstes vom ausgezahlten Pflegegeld begleich zu wollen.

 

Angenommen Sie haben Pflegegrad 2, dann stehen Ihnen monatlich 316€ Pflegegeld zur Verfügung oder als Sachleistungsbudget 689€.

 

Unser Pflegedienst erbringt Leistungen in diesem Monat für 435€ und rechnet diese Leistungen mit ihrer Pflegekasse ab.

Dann ergibt sich folgende Rechnung:

 

Gesamtes Sachleistungsbudget                               689 €

Verbrauchtes Sachleistungsbudget                         435€

Prozentualer Anteil des verbrauchten Sachleistungsbudgets am gesamten Sachleistungsbudget                 63%

Prozentualer Restanspruch auf das Pflegegeld 37%

 

 

Damit stehen Ihnen noch 37% ihres Pflegegeldes zu, d.h. 116€

3. Sachleistungen

 

Bekommen Sie Sachleistungen hat das meistens zwei Gründe. Entweder Sie haben keine Pflegeperson ( zum Beispiel wenn ihre Kinder sehr weit entfernt wohnen), denn um Pflegegeld oder Kombinationsleistungen in Anspruch zu nehmen, brauchen Sie zwingend eine Privatperson die ihre Pflege zu einem gewissen Teil übernimmt.

Manchmal hat auch die Pflegekasse Zweifel, dass das ausgezahlte Pflegegeld wirklich für ihre Pflege aufgewendet wird.  

 

Das Gute an dieser Situation ist, sie können ihren kompletten Anspruch aus der Pflegeversicherung für professionelle Unterstützung durch einen Pflege- oder Betreuungsdienst ausgeben. 

4. Zusammenfassung

Wenn Sie ihre Pflege komplett privat organisieren und sich z.B. von einem Verwandten oder ihrem Partner pflegen lassen, ist die Auszahlung von Pflegegeld sicherlich die beste Alternative. Sobald Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen möchten, eignet sich eine Kombination der Pflegeleistungen.